Wie finanziere ich die Übernahme eines Unternehmens?
02. Oktober 2026 · Redaktion FirmenNachfolge
Die Finanzierung ist für die meisten Käufer die größte Hürde bei einer Unternehmensübernahme. Ein Überblick über die gängigsten Bausteine – meist wird eine Kombination mehrerer Quellen genutzt.
Eigenkapital
Banken erwarten in der Regel einen Eigenkapitalanteil von etwa 15–30 % des Kaufpreises. Je höher der Eigenanteil, desto einfacher die weitere Finanzierung.
Verkäuferdarlehen
Das Verkäuferdarlehen ist eine der wichtigsten und am meisten unterschätzten Finanzierungsbausteine bei einer Unternehmensübernahme – gerade bei kleineren und mittleren Betrieben oft der entscheidende Hebel, damit eine Übernahme überhaupt zustande kommt.
Wie es funktioniert: Der bisherige Eigentümer stundet einen Teil des Kaufpreises – typischerweise 10–30 % – und lässt ihn sich vom Käufer über mehrere Jahre in Raten zurückzahlen, meist verzinst zu marktnahen oder leicht günstigeren Konditionen als ein Bankkredit.
Warum es so wichtig ist:
- Schließt die Finanzierungslücke: Reicht das Eigenkapital des Käufers nicht ganz aus und will die Bank nicht den vollen Restbetrag finanzieren, macht ein Verkäuferdarlehen die Differenz oft überhaupt erst finanzierbar.
- Erleichtert die Bankfinanzierung: Banken werten ein Verkäuferdarlehen häufig wirtschaftlich wie zusätzliches Eigenkapital des Käufers und sind dadurch eher bereit, den restlichen Betrag zu finanzieren.
- Signalisiert Vertrauen: Ein Verkäufer, der einen Teil des Kaufpreises stehen lässt, zeigt damit, dass er selbst an die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens glaubt – ein starkes Signal sowohl an den Käufer als auch an die finanzierende Bank.
- Bindet den Verkäufer sinnvoll ein: Da die Rückzahlung von der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens abhängt, hat der Verkäufer oft weiterhin ein Interesse an einer sauberen Übergabe und steht in der Anfangsphase beratend zur Seite.
Worauf Verkäufer achten sollten: Ein Verkäuferdarlehen ist kein Selbstläufer – das Ausfallrisiko liegt beim Verkäufer. Sinnvoll sind daher eine Besicherung (z. B. Eigentumsvorbehalt an Geschäftsanteilen bis zur vollständigen Zahlung), eine sorgfältige Prüfung der Bonität und der Pläne des Käufers, sowie eine klare vertragliche Regelung, was bei Zahlungsverzug passiert. Oft wird das Verkäuferdarlehen mit einer Besserungsklausel (Earn-out) kombiniert, bei der ein Teil der Rückzahlung an die tatsächlich erzielten Ergebnisse gekoppelt wird.
Bankkredit
Der klassische Weg: ein Investitionskredit bei der Hausbank, meist besichert durch die übernommenen Vermögenswerte oder persönliche Sicherheiten.
aws Garantie
Die Austria Wirtschaftsservice (aws) bietet mit der aws Garantie ein staatlich gestütztes Instrument, das explizit auch Unternehmensübernahmen und -nachfolgen abdeckt – sowohl als Share Deal als auch als Asset Deal, inklusive Goodwill-Anteilen (aws). Die aws übernimmt dabei bis zu 80 % des Kreditbetrags als Haftung gegenüber der finanzierenden Bank, wodurch diese das Kreditrisiko leichter trägt und Ihnen bessere Konditionen einräumen kann. Die Bearbeitung dauert laut aws üblicherweise rund vier Wochen nach vollständiger Unterlagenübermittlung.
Förderungen der Bundesländer und der WKO
Ergänzend bieten viele Bundesländer eigene Wirtschaftsförderungen für Betriebsübernahmen an; ein Überblick findet sich in Förderungen für die Unternehmensnachfolge in Österreich.
Was Banken zusätzlich sehen wollen
- Nachvollziehbarer, konservativer Businessplan für die ersten drei Jahre nach Übernahme
- Belastbare historische Zahlen des zu übernehmenden Unternehmens
- Persönliche Qualifikation und Branchenerfahrung des Käufers
Fazit
Die wenigsten Übernahmen werden aus einer einzigen Quelle finanziert – eine realistische Mischung aus Eigenkapital, Bankkredit, aws-Garantie und eventuell einem Verkäuferdarlehen ist der Normalfall. Firmen zum Verkauf durchsuchen, um eine konkrete Finanzierungsplanung zu starten.